
Weltrekord zum elften Mal in Folge … | fischertechnik-Tag der Karlsruher Grundschulen
Motoren summen, Lämpchen blinken, Zahnräder greifen ineinander. In der Turnhalle der Gartenschule liegt diese gespannte Mischung aus Konzentration und Aufregung, wie kurz vor einem großen Auftritt. 130 Grundschulkinder stehen an ihren Werkbänken.
Vor ihnen: selbstgebaute Module. Wochenlang haben sie in ihren Technik-AGs geschraubt, getestet, verworfen und neu konstruiert. Jedes Teil funktioniert für sich. Jetzt zeigt sich, ob auch das Ganze trägt.
Der Ball startet. Er rollt, stockt kurz – dann geht es weiter. Am Ende steht fest: 102,68 Meter. Ein neuer Weltrekord beim 11. Karlsruher fischertechnik-Tag.
„Ich kann das reparieren“
Aber was an diesem Tag sichtbar wird, ist etwas anderes. Wer hier mit acht oder neun Jahren Module zusammenbaut, lernt mehr als Mechanik. Es geht um Schnittstellen, Verantwortung, Abstimmung, Fehlerkultur. Es geht darum, dass ein Ball nur dann durchläuft, wenn jede Übergabe funktioniert. Dass Präzision zählt. Dass man nachjustieren muss. Dass man gemeinsam Lösungen findet.
Was hier in einer Turnhalle sichtbar wird, hat längst eine größere Dimension: Seit 2013 bringt die Karlsruher Technik-Initiative technika Kinder früh mit Technik in Berührung – getragen vom CyberForum und inzwischen an 218 Schulen und Lernorten und für rund 3.000 Kinder.
Für Eltern ist das vielleicht die schönste Beobachtung: „Technik bedeutet hier nicht stumm vor einem Bildschirm sitzen“, sagt Stephan Kallauch, MINT-Koordinator im CyberForum. „Technik bedeutet Teamarbeit, Verantwortung, Geduld. Ein Kind, das hier erlebt „Ich kann das reparieren“, nimmt dieses Gefühl mit. Vielleicht ins nächste Schulprojekt, in ein ganz anderes Fach oder einfach in den Alltag.“
Für Lehrkräfte ist das oft eine doppelte Chance: Kinder entdecken Technik und gleichzeitig entstehen neue Unterrichtsimpulse. Wer sieht, wie Drittklässler Schnittstellenprobleme analysieren oder gemeinsam ein Modul stabilisieren, erkennt schnell, dass hier mehr passiert als nur „Basteln“.
Wo Neugier wichtiger ist als Perfektion
„Wer heute lernt, dass ein komplexes System aus vielen präzisen Übergaben besteht, versteht morgen vielleicht besser, wie Stromnetze stabil bleiben, Verkehrssysteme koordiniert werden oder KI-Anwendungen verantwortungsvoll entwickelt werden“, sagt Stephan Kallauch.
Der Ball rollt am Ende durch. Aber wichtiger ist, dass etwas anderes in Bewegung kommt: Der neue Rekord zeigt, was möglich ist, wenn viele kleine Ideen zusammenfinden. In einer Region, die von Technologie lebt, beginnt Technikbegeisterung nicht erst im Studium. Sie beginnt dort, wo Kinder ausprobieren dürfen. Wo Fehler erlaubt sind. Wo Mädchen genauso selbstverständlich konstruieren wie Jungen. Wo Neugier wichtiger ist als Perfektion. Während oft darüber gesprochen wird, wie man junge Menschen für MINT begeistern kann, wird hier längst damit angefangen.
Text by Ariane Lindemann, CyberForum e.V.